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Seit 1. Juni 2026

Energy Sharing nach § 42c EnWG

Seit dem 1. Juni 2026 dürfen Haushalte selbst erzeugten Ökostrom über das öffentliche Netz mit anderen Verbrauchern im selben Bilanzierungsgebiet teilen. Was das für Balkonkraftwerke bringt – und was nicht.

Stand: · Redaktion Balkonstromheld

Was ist Energy Sharing?

Energy Sharing ist die gemeinsame Nutzung von Ökostrom über das öffentliche Netz. Nach § 42c EnWG kann der Betreiber einer Erneuerbare-Energien-Anlage – auch eines Balkonkraftwerks – seinen Strom an andere Haushalte, Unternehmen oder Kommunen im selben Bilanzierungsgebiet weitergeben. Der Preis wird frei vereinbart, die Verteilung regelt ein schriftlich festgelegter Aufteilungsschlüssel.

Der Bundestag hat die zugrunde liegende EnWG-Novelle am 13. November 2025 beschlossen; sie wurde am 22. Dezember 2025 im Bundesgesetzblatt verkündet (BGBl. 2025 I Nr. 347). Wichtig: Energy Sharing ist nicht dasselbe wie die gemeinschaftliche Gebäudeversorgung nach § 42b EnWG, bei der Strom nur innerhalb eines Gebäudes ohne öffentliches Netz verteilt wird.

Voraussetzungen im Überblick

  • Zeitraum: seit 1. Juni 2026 im selben Bilanzierungsgebiet, ab 1. Juni 2028 auch im direkt angrenzenden
  • Messung: viertelstündliche Messung bei allen Beteiligten, in Haushalten ein intelligentes Messsystem
  • Netz: Der Strom fließt über das öffentliche Verteilnetz; Netzentgelte fallen weiter an
  • Vertrag: schriftliche Vereinbarung über den Aufteilungsschlüssel; der bisherige Stromliefervertrag für den Reststrom bleibt bestehen
  • Keine Lieferantenpflichten für Kleine: Bis 30 kW (eigene Anlage eines Haushalts) bzw. 100 kW (Mehrparteienhaus) müssen Betreiber keine Pflichten eines Energieversorgers erfüllen

Quelle:§ 42c EnWG auf gesetze-im-internet.de

So funktioniert Energy Sharing in der Praxis

  1. Teilnehmer im selben Netzgebiet finden – etwa Nachbarn, Familie oder eine Bürgerenergie-Gemeinschaft.
  2. Smart Meter bei allen Beteiligten einbauen lassen, falls noch nicht vorhanden.
  3. Aufteilungsschlüssel und Preis schriftlich vereinbaren.
  4. Die Energy-Sharing-Gemeinschaft beim Verteilnetzbetreiber anmelden.
  5. Abrechnung: Der geteilte Strom wird viertelstündlich zugeordnet, den Rest liefert der bisherige Versorger.

Rechenbeispiel: Balkonkraftwerk mit 800 Wp

Jahresertrag: ca. 700 kWh, davon 35 % selbst verbraucht

Überschuss: ca. 455 kWh pro Jahr

Ohne Energy Sharing: 0 € – ein nur im Marktstammdatenregister angemeldetes Steckersolargerät speist unvergütet ein

Mit Energy Sharing zu 12 ct/kWh: ca. 55 € pro Jahr brutto, abzüglich Kosten für Smart Meter und Abrechnung

Fazit: Für die meisten Balkonkraftwerke bringt Energy Sharing nur einen kleinen Zusatzerlös. Mehr Geld spart meist ein höherer Eigenverbrauch – zum Beispiel mit einemSpeicheroder indem Sie Geräte mittags laufen lassen. Ihren Wert berechnet derROI-Rechner.

FAQ

Fragen zu Energy Sharing

Ab wann ist Energy Sharing in Deutschland erlaubt?

Seit dem 1. Juni 2026 innerhalb desselben Bilanzierungsgebiets eines Verteilnetzbetreibers. Ab dem 1. Juni 2028 ist Energy Sharing auch mit Teilnehmern in einem direkt angrenzenden Bilanzierungsgebiet möglich. Grundlage ist § 42c EnWG, den der Bundestag am 13. November 2025 beschlossen hat.

Brauche ich für Energy Sharing ein Smart Meter?

Ja. Alle Beteiligten brauchen eine viertelstündliche Messung – in Haushalten also ein intelligentes Messsystem (Smart Meter). Nur so lässt sich zuordnen, wie viel des geteilten Stroms zeitgleich verbraucht wurde.

Spart der Käufer beim Energy Sharing Netzentgelte?

Nein. Der geteilte Strom fließt durch das öffentliche Verteilnetz, deshalb fallen Netzentgelte und die üblichen Umlagen weiter an. Der Preisvorteil entsteht nur beim Energieanteil des Strompreises.

Lohnt sich Energy Sharing mit einem Balkonkraftwerk?

Meist nur wenig. Ein Balkonkraftwerk mit 800 Wp hat oft nur 300–500 kWh Überschuss im Jahr. Selbst bei 12 ct/kWh sind das 36–60 € brutto, von denen Kosten für Smart Meter und Abrechnung abgehen. Interessanter ist Energy Sharing für größere Dach-PV-Anlagen.